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Aktuelle Ausstellung
"Begegnungen"
Foto - Text - Projekt
Die „MONAliesA“ wird 20, doch was ist das für ein Ort? Wozu brauchen wir so eine Frauen/Genderbibliothek? Was finden BesucherInnen hier, was sie in anderen Bibliotheken nicht finden?
Die “MONAliesA” ist ein Ort der Begegnung für Frauen und dies nicht nur im Sinne eines räumlichen Treffpunktes.
Über diesen Ort begegnen den LeserInnen neue Welten, spannende Geschichten, starke Frauenpersönlichkeiten. Sie erhalten kreative Impulse und Perspektiven für die eigene Lebensgestaltung.
Diese Art der Begegnung, welche ganz im Innenleben der LeserInnen stattfindet, sollte das Kernthema unseres Projektes sein.
Wir wollten von Ihnen erfahren, welche “Begegnung” in Form eines Buches, einer Romanfigur, einer Idee etc. einen wichtigen Impuls für ihr Leben gegeben hat.
Manuela Kasemir und Grit Blankenburg
Februar 2010
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Seit einigen Jahren übt Japan eine große Faszination auf mich aus. Als ich darüber mit der Bibliothekarin der „MONAliesA“ sprach,empfahl sie mir die Bücher von Banana Yoshimoto. Zuerst las ich „Kitchen“,ich fand es sehr feinsinnig und still, aber auch traurig.
Wirklich begeistert bin ich von ihrem letztem Werk „Federkleid“. Ich mag die langsame Erzählweise und das in ihren Büchern der Kontakt zu einer übersinnlichen Welt ganz selbstverständlich in den Alltag integriert ist.
Die kleinen alltäglichen Rituale haben einen großen Stellenwert. Besonders bewegte mich, das in „Federkleid“ die Gefühle nicht explizit beschrieben werden, aber ich sie trotzdem spüren kann. Dadurch ist es mir möglich, ganz in diese Welt einzusteigen. Die Figuren orientieren sich nicht an Vorstellungen, sie lassen die Dinge geschehen. Der feinstoffliche Bereich des Lebens wird dadurch deutlicher und sichtbarer. Ein scheinbares „Versagen“ wird nicht als dieses dargestellt,sondern bietet immer Möglichkeiten. Die Bücher sind wie Meditation, Dinge werden beobachtet und wieder losgelassen. „Federkleid“ wärmt und erdet, ich fühle mich mit ihren Büchern verbunden, ich fühle mich in ihnen zu Hause.
Manuela Kasemir (Medienkünstlerin, 28 Jahre) über das Buch „Federkleid“ von Banana Yoshimoto.
„Paris war eine Frau“ war eines der ersten Bücher, die ich in der „Monaliesa“ ausgeliehen habe. Ich fand den Titel verwirrend, doch die wunderschönen Bilder sehr ansprechend. Als ich das Buch aufschlug, entdeckte ich zu meiner großen Überraschung eine neue Welt, denn ich kannte keine der Frauen wie zum Beispiel Berenice Abbot, Sylvia Beach und Adrienne Monnier, obwohl sie ein bedeutender Teil der Kulturgeschichte sind. Mir wurde klar, was wir in der Schule alles nicht lernen, das uns immer noch der Großteil weiblicher Geschichtsschreibung vorenthalten wird. Die Schriftstellerinnen, Journalistinnen und Buchhändlerinnen im Paris der 1920er Jahre, lebten einfach so, wie sie es sich vorstellten, sie waren kreativ und fragten nicht nach Profit. So zum Beispiel Adrienne Monnier, die mit 23 einen Buchladen eröffnete, der zu einem kulturellen Zentrum wurde. Sie war zudem die Erste, die den Gedanken einer Leihbücherei in Frankreich umsetzte, sie suchte besonders die weibliche Leserschaft, weil sie wusste, das Frauen meist kein Geld für Bücher hatten.
„Die Frauen von der Left Bank“ hatten Stil, lebten solidarisch und arbeiteten zusammen. Sie verkörpern für mich eine Form von Weiblichkeit, ohne Klischees und Stereotype, sie sind alle stark, eigen und attraktiv.
Für mich sind Sie eher Inspiration anstatt Vorbild, denn ich werde wütend wenn die Leute jammern: das geht nicht,das kann ich nicht machen... dann denke ich an diese Frauen, an ihren Mut und ihre Tatkraft und dann weiß ich, ich kann alles machen!
Jessica Bock (Promotionsstudentin, 26 Jahre) über das Buch „Paris war eine Frau“ und Adrienne Monnier fotografiert in "La chocolaterie" in Leipzig (Querstraße
27, www.la-chocolaterie.de)
Ich kannte Jane Austens Romane schon, bevor ich in die „MONAliesA“ kam. Doch eine Praktikantin der Frauenbibliothek legte mir ihr Werk noch einmal besonders ans Herz. Seitdem bringen ihre Bücher Struktur in mein Leben. Ihre Figuren sind für mich teilweise Vorbilder - oder auch abschreckendes Beispiel - auf jeden Fall aber Orientierung. Marianne Dashwood aus "Verstand und Gefühl" ist eine Protagonistin, die mich besonders anspricht. Ich kann mich mit Ihren Eigenschaften identifizieren - seien diese nun gut oder schlecht. Trotz aller Peinlichkeiten und Beschwernisse, die ihr begegnen, bleibt sie authentisch. Erst ganz am Ende der Geschichte werden ihr die Flügel gestutzt. Sie muß ein Einsehen haben mit der übermächtigen Heiratspolitik in Austens Zeit, in der es nicht um Gefühl, sondern um blanken Pragmatismus ging.
Jane Austen übt Gesellschaftskritik, indem sie die Gesellschaft beschreibt, und zwar aus Sicht der Frauen. Sie war eine Meisterin der Beobachtung, die das Vorgefundene nicht einfach hinnahm, sondern durch ihre Sprachmacht und Ironie unterhaltsam entblößte.
Katharina Lengert (Bibliothekarin,31 Jahre) über Marianne Dashwood aus „Verstand und Gefühl“ von Jane Austen fotografiert in einer Wohnung in Leipzig.
Luisa Francia war früher für mich esoterische Literatur, mit der ich nichts zu tun haben wollte. Ich sah mir einige ihrer Bücher an, bewunderte zwar die vielen Reisen die sie machte, fand aber die Texte banal und unbedeutend. Bis mir eine Leserin in der „Monaliesa“ sagte: „Versuch doch mal ihre Bücher als Unterhaltungsliteratur mit Humor zu verstehen.“ Ich nahm die Bücher erneut zur Hand und von da an war ich begeistert! Ich lese sie besonders in schweren Zeiten, ihre Texte bauen mich auf und geben mir Kraft. Ich liebe ihre völlig undogmatische Art und ihren Humor. Sie mischt Magie mit Leberkäse und hat mich bestärkt, auf mein Bauchgefühl zu hören und die Natur neu zu entdecken.
Grit Blankenburg (Germanistin, 32 Jahre) über die Schriftstellerin Luisa Francia, fotografiert im Leipziger Auenwald.
Die Romane der schwedischen Autorin Majgull Axelsson (z. B. „Die Aprilhexe“, „Der gleiche Himmel“) hatten viele Jahre in der „MONAliesA“ eine Art Kultstatus und auch mich packte diese Begeisterung. Majgull Axelsson erzählt hochspannende Lebensgeschichten von Frauen, meist über mehrere Generationen hinweg. Die Autorin zeichnet ihre Figuren sehr intensiv, ihre alltäglichen Gefühle und ihre seelischen Schattenbereiche. Kernthema der Romane ist das oft unfreiwillige Zurückgeworfensein der Protagonistinnen auf ihre Wurzeln, ihre Erfahrungen im Umfeld ihrer Kindheit. Die Autorin arbeitet mit verschiedenen Zeitebenen und verschiedenen Perspektiven, die sich im Verlauf zu einem Ganzen verdichten.
Ich kann mich, mein Zurück-Schauen-Müssen, mein Bewusstwerden ungeliebter und schmerzhafter Seiten in mir, in den Romanen wiederfinden. Nicht zuletzt bin ich an die Spiegelung früherer Erfahrungen in meiner eigenen Mutterrolle erinnert. Ihre Romane haben mich gefesselt, sie sind leicht zu lesen und haben trotzdem eine große Tiefe. Ich kann jedes Buch von ihr empfehlen und würde auch jedes Buch lesen, das neu von ihr erscheint.
Katja Demnitz (Dipl.-Sozialpädagogin, 34 Jahre) mit ihrer Tochter Helene (2 Monate) über Majgull Axelsson, fotografiert in einer Wohnung in Leipzig.
Religiöse Themen nehmen einen besonderen Platz in meinem Leben ein. Bei einer Lesung in der Frauenbibliothek „MONAliesA“ wurden die Mystikerinnen aus Helfta vorgestellt, seitdem ist besonders Mechthild von Magdeburg mit ihrem Werk „Das fließende Licht der Gottheit“ für mich sehr wichtig geworden. Ihre Texte sind heute noch - nach 800 Jahren - aktuell. Sie enthalten universell göttliche Wahrheiten und bei jeder Lektüre kann ich Neues darin entdecken. Mechthild von Magdeburg hat versucht, das Unbeschreibliche, nämlich die unmittelbare Erfahrung Gottes, welche im Herzen geschieht, in Worte zu fassen. Es hilft mir zu sehen, dass Mechthild von Magdeburg und andere Mystikerinnen das erfahren haben und macht sie für mich zu spirituellen Lehrerinnen. Ohne Glauben wäre mein Leben unvollständig, denn Gott schenkt mir die Fülle des Lebens.
Sabine Seidler (Rechtsanwältin, 37 Jahre) über Mechthild von Magdeburg fotografiert im Raum der Stille Leipzig (Hainstraße 12,www.orientierung-leipzig.de).
Ich bin nicht der Bücher wegen in die „Monaliesa“ gekommen, doch die Bücher wollten mich. Durch einen glücklichen Zufall bekam ich vor mehreren Jahren eine befristete Arbeit in der Frauenbibliothek Ohne diesen Ort wäre ich heute nicht da, wo ich jetzt bin, denn „Monaliesa“ ist nicht einfach nur eine Bibliothek, sondern ein Platz der Kommunikation. Ich fand dort einen Austausch über Themen, den ich in meinem Privatleben nicht hatte. Meine Ideen und Vorstellungen wurden ernst genommen und auch geteilt. Aus meiner Zeit dort habe ich mir mitgenommen, dass ich die Dinge sagen und tun kann, die ich im Kopf habe. Miss Marple verkörpert für mich diese Energie: Sie geht ihren Weg, lässt sich nichts einreden und vertraut ihrer Wahrnehmung. Die Rollenvorstellungen und Konventionen der Gesellschaft sind ihr absolut bewusst, doch sie spielt mit ihnen, um ihre Ziele zu erreichen. Miss Marple ist selbstbewusst und nichts und niemand kann sie davon abhalten, ihre Ideen zu verwirklichen.
Daniela Stiller (Bibliothekarin,32 Jahre) über Miss Marple fotografiert auf dem Bahnhof Markkleeberg.
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